Kritik und Konsequenzen
Im Jahr 2017 wurden Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer von Rigpa, Sogyal Rinpoche, erhoben.
Rigpa ergriff umgehend Maßnahmen, um daraus zu lernen, und setzte umfangreiche organisatorische Veränderungen um.
Im Jahr 2017 wurden von einigen seiner Schülerinnen und Schüler Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer von Rigpa, Sogyal Rinpoche, erhoben. In der Folge trat Sogyal Rinpoche von seinem Amt als spiritueller Leiter der Rigpa-Organisation ab und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Nach schwerer Krankheit verstarb er im August 2019.
Unmittelbar nach dem Eingang der Vorwürfe ergriff Rigpa Maßnahmen, um zu verstehen, was geschehen war, und daraus zu lernen, und führte infolgedessen eine Reihe organisatorischer Veränderungen durch. Rigpa ist stets bestrebt, transparent zu sein, und hat in diesem Zuge alle vorgenommenen Änderungen öffentlich gemacht. Weiter sind wir stets offen zu Gesprächen über die Vorwürfe und unsere Reaktion darauf, mit allen, die sich mehr Informationen wünschen.
Wer trägt heute die spirituelle Leitung von Rigpa?
Die spirituelle Leitung von Rigpa liegt heute bei einem Vision Board, das aus erfahrenen Rigpa-Schülern sowie Youth Advisorn besteht, die von der Rigpa-Gemeinschaft nominiert werden. Das Vision Board wird von unseren spirituellen Berater*innen Dzongsar Khyentse Rinpoche, Mindrolling Jetsün Khandro Rinpoche und Khenchen Namdrol Rinpoche geleitet, die alle hochrangige Meister*innen der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus sind.
Rigpa wird zudem von vielen anderen großen Meister*innen der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus begleitet.
Eine Gruppe von 25 erfahrenen Lehrenden und erfahrenen Praxishalter*innen wurde 2021 nominiert und offiziell beauftragt. Diese Gruppe trägt gemeinsam mit einer breiteren Gemeinschaft von 200 Lehrenden und Praxishalter*innen die Verantwortung für das Studium und die Praxis unserer Gemeinschaft. Erfahre mehr über unsere Lehrenden Lesen Sie mehr über unsere Lehrer
Die internationale Koordination von Rigpas Aktivitäten liegt in den Händen eines Netzwerks unabhängiger Rigpa-Organisationen und Gruppen. Erfahre mehr über unsere Teams Lesen Sie mehr über unsere Teams
Was hat Rigpa aus den Vorwürfen gelernt?
Mit der Zeit haben wir erkannt, dass wir als Gemeinschaft aufmerksamer hätten zuhören sollen, als Bedenken geäußert wurden, und die Menschen in ihrer Beziehung zu Sogyal Rinpoche besser hätten unterstützen müssen. Die Lehrer*in-Schüler*in-Beziehung im Vajrayana und Dzogchen ist sehr spezifisch und im westlichen Kontext kaum vertraut. Missverständnisse auf beiden Seiten, auf Seiten des Lehrers sowie der Schülerinnen und Schüler, haben dazu geführt, dass Menschen verletzt wurden. Sogyal Rinpoche selbst hat sich mehrfach entschuldigt.
Die konkreten Maßnahmen, die wir ergriffen haben, lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:
Offene Reflexion
- Sobald das Beschwerdeschreiben im Juli 2017 einging, versammelten sich die wichtigsten Lehrenden und Verantwortlichen für drei Tage zu einem offenen Gespräch. Wir hinterfragten uns selbst, öffneten uns vollständig dafür, aus dem Geschehenen zu lernen, und betrachteten unsere Kultur und unser Führungsmodell. Dabei wurde die Vielfalt der Perspektiven in der Gruppe anerkannt. Dieser Ansatz der Reflexion und Offenheit prägte jeden Schritt, den wir seit dieser frühen Phase unternommen haben.
Zuhören und aufeinander zugehen
- Nach einer ersten Phase der Reflexion und des Austauschs haben wir einen Verhaltenskodex erstellt und umgesetzt, der auf buddhistischer Ethik basiert und gleichzeitig moderne westliche ethische Standards einbezieht, und ein formelles Beschwerdeverfahren entwickelt.
- Mithilfe unabhängiger Mediatoren und eines restaurativen Prozesses sind wir gezielt auf diejenigen zugegangen, die verletzt wurden. Zwischen 2017 und 2023 fanden über siebzig Gespräche mit unabhängigen Mediatoren und den betroffenen Personen statt, von denen vier restaurative Maßnahmen beantragten. Dabei handelt es sich nicht um Entschädigungen oder finanzielle Vereinbarungen, sondern um konkrete Schritte der Wiedergutmachung. Drei solcher restaurativen Maßnahmen wurden vereinbart, eine konnte nicht abgeschlossen werden.
- Das 2018 eingeführte Beschwerdeverfahren ist ein proaktives System, das Menschen weiterhin dabei unterstützt, Bedenken über alles, womit sie sich bei Rigpa unwohl fühlen, anzusprechen und zu klären.
Andauerndes Lernen
- Einer der Hauptfaktoren, der zu diesen Missverständnissen und Verletzungen beigetragen hat, ist das Aufeinanderprallen der tibetischen Vajrayana-Kultur mit der westlichen Kultur des 21. Jahrhunderts. Wir bemühen uns deshalb kontinuierlich, uns selbst und andere darüber aufzuklären und zu informieren. Das Thema wird in Dzongsar Khyentse Rinpoches Buch „Gift ist Medizin“ anschaulich dargestellt und diskutiert und in den frei zugänglichen Texten, Videos und Podcasts der Rigpa-Initiative „Treasuring the Feminine“ vertieft.
- Diese kulturellen Problematiken sind nicht auf Rigpa beschränkt. Die Reflexion und der Austausch darüber wird auch in anderen buddhistischen Gemeinschaften fortgesetzt.
Rigpas aktueller Umgang mit Sogyal Rinpoches Belehrungen
Wir erkennen und ehren die Vielfalt der Erfahrungen und Sichtweisen in unserer Gemeinschaft. Dem buddhistischen Pfad in Rigpa zu folgen, setzt keine Hingabe an Sogyal Rinpoche voraus und bedeutet nicht, alle seine Handlungen und sein Verhalten als Meister gutzuheißen.
Gleichzeitig würdigen wir und erkennen Sogyal Rinpoche als Gründer von Rigpa und als authentischen Meister der Nyingma-Linie an. Auch andere große Meister*innen dieser Linie lehren in und begleiten Rigpa.
Heute wird Rigpas Programm, das aus Kursen, Seminaren und Retreats besteht, von Rigpas Lehrenden und Instruktor*innen, den Meister*innen, die die Rigpa-Gemeinschaft begleiten, sowie von Gastlehrer*innen und Lamas geleitet. Das Programm steht allen offen, die die tiefe Weisheit und die kraftvollen Methoden des tibetischen Buddhismus erkunden möchten.
Es ist unser gemeinsamer Wunsch, dass Rigpa ein sicherer Ort für das Studium und die Praxis der buddhistischen Lehren ist. Ein Ort, an dem wir alle Verantwortung füreinander tragen, für das Wohlbefinden und den spirituellen Weg jedes Einzelnen.